Religions-Unterricht in der EKBO

Seit einigen Jahren gerät der Religionsunterricht in Berlin und Brandenburg in immer größere Turbulenzen.

Wir erinnern uns:

Erst waren vor vier Jahren Hunderte von Kündigungen geplant, weil die Landeskirche geringere staatliche Finanzleistungen nicht mit Kirchensteuergeldern ausgleichen wollte. Diese Kündigungen haben die Gewerkschaften mit dem »Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung« verhindern können. Dann gibt es seit Jahren einen Einstellungsstopp, was das Durchschnittsalter im RU immer höher werden lässt. Die wenigen Neueinstellungen vor allem aus der Fachhochschule kamen allein dadurch zustande, dass sie von den Gewerkschaften in diesem Tarifvertrag durchgesetzt wurden.

Wir arbeiten an den Schulen immer länger und unter sich ständig verschlechternden Bedingungen. Was wir für die Sekundarstufe durch die Einführung des Ethikfaches befürchtet haben, ist eingetroffen. In großem Umfang (30–40%) sind die Anmeldezahlen zurückgegangen und an vielen Schulen versuchen die RU-Lehrkräfte durch Kooperationen zu retten, was noch zu retten ist. Wir haben als RU-Gruppe im Sommer 2005 auf diese Entwicklung hingewiesen und Vorschläge gemacht, die nachzulesen sind.

RU aktuell: Wie weiter mit dem RU? (PDF)

Leider ist man in der Kirche diesen Überlegungen nicht gefolgt – eigene Überlegungen, wenn es sie gegeben haben sollte, wurden nicht kommuniziert. Erst als das Ethikfach schon etabliert war, ging die Landeskirche auf die Kooperation ein und dies unter schlechteren Bedingungen, als es vor zwei Jahren möglich gewesen wäre. Aktuell wird in der Presse so getan als gäbe es keine Probleme – öffentlich unwidersprochen von unserer Kirche. Gleichzeitig stellt der Senat die finanzielle Grundlage der Kooperation in Frage.

Pressemeldungen Kooperation RU-Ethik (PDF)

Hinzu kommen die Veränderungen im Schulsystem selbst. Hier einige Beispiele aus der Grundschule:

  • SAPH: In Berlin haben wir SAPH (Schulanfangsphase)! Hinter diesem Kürzel können wir alle Modelle der Jahrgangsmischung (Jül [Jahrgangsübergreifendes Lernen], Flex usw.) wieder finden, d.h. Mischung in den Klassen 1–2, 1–3 oder auch 4–6. Jede Grundschule kann sich für ein oder eine Erweiterung dieser Modelle entscheiden.
  • Flex: Die »flexible Schuleingangsphase« wurde für die Klassen 1–3 konzipiert und für Brandenburg eingeführt. In diesem Modell wird dem/der Klassenlehrer/in eine Erzieherin (vorgesehen war einmal ein Lehrer) für den Unterricht zur Seite gestellt. Der Unterricht findet im »rhythmisierten Tagesablauf« statt, d.h., es wird in Blockstunden unterrichtet.

Was bedeutet das für den RU?

Wenn man die Konzepte der Schuleingangsphasen liest, muss auffallen, dass für uns

  • keine zweite Lehrkraft, keine Teambildung möglich ist;
  • keine differenzierten Materialien zur Verfügung stehen;
  • der hohe Materialaufwand nicht berücksichtigt
  • und ein »rhythmisierter Religionsunterricht« noch nicht bedacht wurde.

Wir werden in der Umstrukturierung der Grundschulen und damit für unsere weitere Arbeit alleingelassen.

  • Verkürzung der Schulzeiten bis zum Abitur,
  • der Ausbau der Stundentafel,
  • die Ganztagsschule
und die anderen bekannten Maßnahmen bringen den RU und damit die Beschäftigten weiter unter Druck. Die Veränderungen im Rentensystem tun das ihrige unsere Situation noch zu verschlechtern. Statt Altersteilzeit Arbeit bis 67!

Wie viel Zukunft hat der Religionsunterricht?

Wie viel Zukunft haben wir?

Wenn die Perspektive dunkel ist, ist es allemal sinnvoller, ein Licht zu entzünden, als die Dunkelheit zu bejammern. Und dieses Licht muss sichtbar sein! Ein solches Licht wäre eine Bestandsgarantie des RU mit einer genauen und festgelegten Mindestzahl von Stellen, die die Landeskirche garantiert. Ein solches Licht wären kontinuierliche und verbindliche Neueinstellungen von jüngeren RU-Lehrkräften, die der Öffentlichkeit signalisieren: Wir, die EKBO, glauben an die Zukunft des RU und investieren in Personal! Solche Lichter wären nicht nur neue umfängliche Anforderungen an die derzeitigen RU-Lehrkräfte, sondern auch aufzuzeigende Wege und Möglichkeiten, diesen Anforderungen zu entsprechen und in Fort- und Weiterbildung weitere Qualifikationen zu erwerben.

Und wir als Beschäftigte?

Wir haben entsprechend unseren Arbeitsverträgen unsere Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen und unsere Arbeit gut zu machen. Dies wollen und werden wir weiterhin tun. Auf die Gestaltung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für den RU haben die RU-Kolleginnen und –Kollegen allerdings kaum Einfluss. Im Gegensatz zum kirchlichen Arbeitgeber.

Wir bekennen uns dazu, dass wir nicht glauben, dass unser Arbeitgeber vorrangig an uns und die Sicherung unserer Stellen denkt. Nach dem ersten »Tag der 100.000« kam von Kirchenleitung und Konsistorium der Versuch, einige Hundert Kündigungen durchzuführen, was gerade noch verhindert werden konnte. Nach dem Beschäftigungssicherungstarifvertrag, der dies beinhaltete, kam der kirchliche Ausstieg aus dem gesamten Tarifvertrag. Was käme nach einem zweiten Tag der „100.000“? Um uns müssen wir uns selber kümmern!

Wir erwarten von unseren kirchenleitenden Gremien und Arbeitgebern, dass sie alle Möglichkeiten, die die demokratische Ordnung bietet, einsetzen, um Druck auf die Berliner Regierung auszuüben. Wir erwarten auch von unserer Kirchenleitung, dass sie gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Perspektive des RU verdeutlicht. Entweder ist die Landeskirche bereit, den Religionsunterricht abzusichern und ihn durch die Einstellung neuer, jüngerer Kräfte zu garantieren oder der RU ist definitiv ein Auslaufmodell, das es in einigen Jahren nicht mehr gibt.

Wir, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Religionsunterrichtes müssen heute auf dem Weg sein, müssen heute das Außenbild unserer Kirche mitgestalten, kompetent und wirksam für unsere attraktive Gemeinschaft, für unsere Kirche!

Wir wollen dies vertreten an unserem Platz, mit unserer Aufgabe, dem Religionsunterricht!

Qualifizierte Mitarbeiter unserer Kirche wollen

  • den Bedarf ihres Unterrichtes an der Schulsituation orientiert gestalten,
  • ausgestattet werden mit kompetentem Rüstzeug für die Arbeit (Fort- und Weiterbildung),
  • eine gute Außenwirkung durch ansprechende Ausstattung in Material für den Unterricht erreichen,
  • die Werbung für ihren Unterricht in professioneller Form und Qualität zeigen
  • in Kollegialität Veränderungsprozesse mitgestalten,
  • Wertschätzung der Gemeinschaft Kirche erhalten, um daraus Kraft und Rüstzeug schöpfen zu können

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